Für die richtige WordPress Barrierefreiheit gilt seit dem 28. Juni 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Viele Online-Shops und Buchungsseiten müssen seitdem barrierefrei sein. Doch nicht jede Webseite ist davon betroffen.
In diesem Artikel erklären wir dir:
- ob das BFSG für deine Webseite gilt,
- welche Fehler auf Webseiten am häufigsten vorkommen,
- wie du sie in WordPress behebst,
- und wie du Schritt für Schritt BFSG-fit wirst.
- Wer muss seine Webseite anpassen? Unternehmen, die online Verträge mit Verbrauchern schließen – etwa Shops, Buchungs- und Ticketportale.
- Wer nicht? Reine B2B-Angebote, reine Infoseiten ohne Vertragsabschluss und Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten.
- Welcher Standard? In der Praxis die WCAG auf Stufe AA (über die Norm EN 301 549).
- Was droht? Bußgelder bis 100.000 Euro und Anordnungen der Marktüberwachung.
- Erster Schritt: Webseite mit der Tastatur und einem Testtool prüfen – die meisten Fehler sind schnell behoben.
1. Was bedeutet Barrierefreiheit für WordPress Webseiten?
WordPress Webseiten sind dann barrierefrei, wenn digitale Angebote so gestaltet sind, dass alle Menschen sie ohne Hilfe oder Einschränkungen nutzen können – unabhängig von körperlichen, sensorischen oder kognitiven Fähigkeiten sowie technischen Hilfsmitteln.
"Eine Webseite ist barrierefrei, wenn sich Einschränkungen beim Sehen, Hören, Bewegen oder beim Verarbeiten von Informationen nicht negativ darauf auswirken, wie wir das Web nutzen."
Aktion Mensch
Für wen sind barrierefreie Webseiten gedacht?

Die Barrierefreiheit unserer Webseiten hilft nicht nur Menschen mit dauerhaften Behinderungen oder Einschränkungen. Sie hilft allen Personen, die eine Webseite gerade nicht richtig bedienen können, zum Beispiel auch durch eine gebrochene Hand. Deswegen ist es so wichtig, WordPress Seiten grundsätzlich nutzbarer zu machen und sich an den Richtlinien der WCAG zu orientieren – unabhängig davon, ob du von der gesetzlichen Pflicht betroffen bist oder nicht.
Trotzdem umfasst die Zielgruppe des BFSG folgende Gruppierungen in erhöhtem Maß:
| Gruppe | Typische Barriere | Was hilft |
|---|---|---|
Blinde und sehbehinderte Menschen | Fehlende Alt-Texte, schwache Kontraste | Screenreader-taugliche Struktur, gute Kontraste |
Menschen mit motorischen Einschränkungen | Nur mit der Maus bedienbar | Vollständige Tastaturbedienung |
Gehörlose und schwerhörige Menschen | Videos ohne Untertitel | Untertitel und Transkripte |
Menschen mit kognitiven Einschränkungen | Komplizierte Sprache, viel Ablenkung | Klare Sprache, ruhiges Layout |
Ältere Menschen | Kleine Schrift, kleine Buttons | Große Schrift, große Klickflächen |
Situativ eingeschränkte Menschen | Gebrochener Arm, Sonne auf dem Display | Tastaturbedienung, hohe Kontraste |
In Deutschland haben rund 7,8 Millionen Menschen eine anerkannte Schwerbehinderung. Das entspricht etwa 9,4 % der Gesamtbevölkerung (Stand: Ende 2025).
Bei 57 % betrifft die Behinderung körperliche Beeinträchtigungen (z. B. innere Organe, Bewegungsapparat), gefolgt von geistigen, seelischen oder zerebralen Beeinträchtigungen sowie Sinnesbehinderungen (Sehen, Hören, Sprache).
Quellen: Statistisches Bundesamt | Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Juli 2026
Welche Barrieren auf Webseiten am häufigsten vorkommen und wie du sie behebst, zeigen wir dir ausführlich in Kapitel 4 .
Warum sich WordPress Barrierefreiheit auch ohne Pflicht lohnt

Auch wenn das BFSG dich eventuell nicht betrifft, profitieren du und deine Nutzer immer von einer barrierefreien WordPress Umgebung. Die folgenden Vorteile solltest du dir durch den Kopf gehen lassen:
- Mehr Reichweite: Du schließt niemanden aus – das sind Millionen potenzielle Kunden.
- Bessere Usability: Klare Struktur, gute Kontraste und große Buttons helfen allen Besuchern. Das wirkt sich positiv auf die Conversion aus.
- SEO-Vorteile: Barrierefreiheit ist kein direkter Rankingfaktor. Aber saubere Überschriften, Alt-Texte und verständliche Texte helfen Suchmaschinen, deine Inhalte zu verstehen.
- Zukunftssicherheit: Wer jetzt barrierefrei baut, spart sich später teure Umbauten.
- Gleichberechtigung: Jeder Mensch soll Webseiten selbstständig nutzen können – beim Einkaufen, Bewerben oder Buchen.
Nach Einführung des BFSG weisen ca. 80–90 % der kommerziellen Webseiten und Onlineshops weiterhin erhebliche Barrieren auf.
70 % der großen Onlineshops scheitern dabei leider bereits am ersten Schritt: der reinen Tastaturbedienung ohne Computermaus.
Die Zahl der Updates und Verbesserungen nimmt zwar mit gut 12 % zu, allerdings verfehlen rund 88 % der Webseiten immer noch die vollständigen Standards.
Quellen: Assistenz Plus 2026
2. Welche Webseite muss barrierefrei sein? Die Rechtslage 2026

Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die Gesamtthematik. Dieser Artikel und die darin enthaltenen Informationen ersetzen nicht eine professionelle Rechtsberatung.
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, kurz BFSG, setzt den European Accessibility Act (EU-Richtlinie 2019/882) in deutsches Recht um. Dieses Gesetz gilt seit dem 28. Juni 2025 und betrifft nun erstmals auch die Privatwirtschaft.
Das Gesetz verpflichtet erstmals private Wirtschaftsunternehmen dazu, bestimmte Produkte und Dienstleistungen barrierefrei zu gestalten. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen eine gleichberechtigte und weitgehend selbstständige Nutzung zu ermöglichen.
Der European Accessibility Act (EAA, EU-Richtlinie 2019/882) ist eine europäische Richtlinie für digitale und physische Barrierefreiheit. Sie wurde 2019 beschlossen und gilt seit dem 28. Juni 2025 verbindlich in allen EU-Staaten. In Deutschland wurde die Richtlinie durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) umgesetzt.
Wer ist vom BFSG betroffen und was gibt es zu beachten?
Wer ist von den Änderungen betroffen?
Das BFSG betrifft tatsächlich nicht nur Webseiten, sondern auch physische Produkte wie Spielkonsolen, Geldautomaten, Ticketautomaten, Computer, Smartphones oder Betriebssysteme. Werfen wir einen Blick auf betroffene Webseiten-Arten, ist aber nicht direkt jeder in der gesetzlichen Pflicht.
| Vom BFSG betroffen sind | Vom BFSG NICHT betroffen sind |
|---|---|
|
|
Welche Übergangsfristen gibt es?
Angebote und Verträge vor dem 28.06.2025:
- Dienstleistungen mit Produkten, die schon vor dem 28.06.2025 im Einsatz waren, dürfen bis zum 27.06.2030 weiter so angeboten werden.
- Verträge, die vor dem 28.06.2025 geschlossen wurden, laufen unverändert weiter – höchstens bis zum 27.06.2030 .
Für klassische Webseiten und Online-Shops gibt es keine Anpassungs-Frist.
Für neue Webseiten und Shops gilt die Pflicht dagegen sofort.
Die Marktüberwachungsstelle der Länder für die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen (MLBF) ist seit Herbst 2025 aktiv und prüft, ob Unternehmen die BFSG-Pflichten einhalten. Seit Juni 2026 können Verbraucher Verstöße zudem direkt online bei der MLBF melden.
Daneben sind auch Abmahnungen wegen fehlender digitaler Barrierefreiheit möglich. Wie häufig sie vorkommen und wie Gerichte damit umgehen, ist bislang aber noch nicht abschließend geklärt.
Was muss ich bei der Änderung meiner Webseite noch beachten?
Bei der Umsetzung der Barrierefreiheit auf deiner Webseite, solltest du darauf achten, deine Prozesse gut zu strukturieren. Solltest du eine Prüfung bekommen, kannst du deine Maßnahmen schnell und einfach belegen.
- Barrierefreie Umsetzung: Deine Webseite muss die Anforderungen des BFSG erfüllen. Technisch orientiert sich das an der Norm EN 301 549 und damit an den WCAG auf Stufe AA.
- Informationen bereitstellen: Du musst erklären, wie dein Angebot die Anforderungen erfüllt – zum Beispiel in deinen AGB oder auf einer eigenen Seite. Das nennt man oft Barrierefreiheitserklärung . Sie beschreibt dein Angebot, die umgesetzten Maßnahmen und nennt die zuständige Marktüberwachungsbehörde.
- Dokumentation: Halte fest, was du geprüft und umgesetzt hast. So kannst du bei einer Anfrage nachweisen, was du getan hast.
Wer kontrolliert, ob meine Webseite barrierefrei ist?
Für die Kontrolle ist die gemeinsame Marktüberwachungsstelle der Länder für Barrierefreiheit (MLBF) in Magdeburg zuständig. Verbraucher und anerkannte Verbände können dort selbst ein Einschreiten beantragen.
Bei einem Verstoß bzw. einer fehlenden Anpassung deiner Webseite nach § 37 BFSG drohen dir:
- bis zu 100.000 Euro , wenn du eine nicht barrierefreie Dienstleistung anbietest,
- bis zu 10.000 Euro bei fehlenden oder falschen Pflichtinformationen.
Außerdem kann die Behörde anordnen, dass du dein Angebot, bis die Mängel behoben sind, einstellen musst.
Empfehlungen der WCAG für barrierefreie Webseiten
Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) ist kein Gesetz, sondern ein internationaler Standard des W3C (World Wide Web Consortium) .
Gesetze wie BFSG verweisen allerdings standardmäßig auf die WCAG-Empfehlungen, wodurch diese zu den klassischen Richtlinien der Barrierefreiheit wurde.
Die Richtlinien der WCAG beruhen auf vier Prinzipien. Inhalte müssen:
- wahrnehmbar sein (z. B. Alt-Texte, Untertitel),
- bedienbar sein (z. B. per Tastatur),
- verständlich sein (z. B. klare Sprache, hilfreiche Fehlermeldungen),
- robust sein (z. B. sauberes HTML für Screenreader).
Es gibt drei Stufen: A, AA und AAA. AA ist der Standard, den du anstreben solltest.
👉🏻 Einen passenden detaillierten Überblick bietet dir die WCAG-Seite des W3C .
- PageSpeed Score
- Core Web Vitals
- Parameter mit Erläuterung
Nach dem Absenden erhältst du das Ergebnis direkt per E-Mail.
Mit dem Absenden dieses Formulars stimmst du unseren Datenschutzbestimmungen zu.
3. Ist WordPress barrierefrei?

Fast, WordPress liefert eine sehr gute barrierefreie Basis im Core. Der WordPress Core entscheidet allerdings nicht, ob deine Webseite im finalen Zustand auch barrierefrei ist.
Denn deine Webseite basiert später auf viel mehr als dem WordPress Core. Entscheidend sind Design, Theme und Plugins, die in ihren jeweiligen Einstellungen und Funktionen an Barrierefreiheit angepasst werden.
Das Gute daran: Viele Themes und einige Plugins bieten eigene Einstellungen für mehr Barrierefreiheit. Prüfe aber immer selbst, ob sie wirklich funktionieren.
Der WordPress Core
Der WordPress-Core ist von Haus aus sehr solide aufgestellt, aber nicht zu 100 % barrierefrei.
Das WordPress Accessibility Team arbeitet durchgehend daran, den WordPress Core und den Gutenberg Block-Editor barrierefreier zu machen.
Neuer Code soll die WordPress Accessibility Coding Standards erfüllen. Ganz fehlerfrei ist WordPress aber nicht. Bekannte Probleme findest du im WordPress Trac und noch mehr Hintergründe im Handbuch zur Barrierefreiheit .

- Die Entwicklung des WordPress Cores wird eng an den WCAG-Standards ausgerichtet.
- Barrierefreies Backend: Das WordPress Admin Backend gilt als eines der zugänglichsten Redaktionssysteme und lässt sich grundsätzlich auch per Screenreader oder Tastatur bedienen.
- WordPress Accessibility Team: Ein eigenes Team der Community arbeitet kontinuierlich daran, den Core, Standard-Themes und Werkzeuge barrierefrei zu verbessern. Weitere Informationen dazu finden sich im WordPress-Handbuch zur Barrierefreiheit.
Themes

Im offiziellen Theme-Verzeichnis gibt es den Filter „Barrierefreiheit“ (accessibility-ready) . Themes mit diesem Tag hat das Theme-Review-Team auf grundlegende Anforderungen geprüft.
Dazu zählen beispielsweise die Standard Themes von WordPress, aktuell Twenty Twenty-Five oder von Elementor Hello Elementor .
Passende Themes findest du in unserem Artikel Die besten WordPress Themes 2026 . Wenn du mit einem Page-Builder arbeitest, hilft dir unser Vergleich Elementor vs. Gutenberg 2026 bei der Wahl.
Das Tag garantiert keine barrierefreie Webseite. Es bestätigt nur, dass das Theme auf Barrierefreiheit überprüft und dahingehend freigegeben wurde.
Plugins

WordPress-Plugins werden vor ihrer Veröffentlichung nicht auf Barrierefreiheit geprüft.
Die allermeisten Plugins stammen nicht von WordPress selbst, sondern von Drittanbietern.
Beim Einreichen eines Plugins ins offizielle Verzeichnis durchläuft dieses zwar einen Review-Prozess, dieser prüft jedoch nur Sicherheits- und Richtlinienkriterien, keine Barrierefreiheit.
Gerade Slider, Pop-ups, Cookie-Banner und Formular-Plugins können deswegen häufige Fehlerquellen sein.
Einige Plugin-Hersteller bieten eigene Einstellungen für mehr Barrierefreiheit an. Prüfe daher die Einstellungs-Optionen deiner Plugins – und teste neue Plugins vor dem Einsatz immer mit der Tastatur.
Besonders hilfreiche und barrierefreie Plugins stellen wir dir in unserem Artikel Die Top 5 Plugins für mehr Barrierefreiheit vor.
4. Die häufigsten Barrieren und wie du sie behebst

WebAIM prüft jedes Jahr die Startseiten der eine Million meistbesuchten Webseiten. 2026 hatten 95,9 % davon erkennbare WCAG-Fehler – im Schnitt 56 Fehler pro Seite . Das sind rund 10 % mehr als 2025 (51 Fehler).
Quelle: The WebAIM Million 2026
Die 6 häufigsten Barrierefreiheitsfehler auf Webseiten

Diese sechs Fehler machen laut WebAIM den Großteil aller automatisch erkennbaren Probleme aus. Das Gute: Du kannst alle in WordPress selbst beheben.
1. Zu schwacher Kontrast (83,9 % der Seiten)
🚫 Das Problem
Eine hellgraue Schrift auf weißem Hintergrund ist schwer lesbar, sogar für Nutzer ohne Beeinträchtigungen – für Menschen mit Sehschwäche ist eine solche Konfiguration noch schwieriger zu lesen.
✅ Die Lösung
- Ein normaler Text braucht ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 .
- Ein großer Text (ab 24 px oder 18,5 px fett) braucht mindestens 3:1 .
- Auch Buttons, Formularfelder und Icons brauchen mindestens 3:1 zum Hintergrund.
- Prüfe die Kombination deiner Farben mit einem Tool wie dem Contrast Checker .
- Lege die Farben deiner Webseite zentral fest: im Site Editor unter Stile > Farben oder in Elementor unter Website-Einstellungen > Globale Farben.
Du musst dafür nicht auf Schwarz-Weiß setzen. Die Bundesregierung zeigt in ihrem Styleguide barrierefreie Farbkombinationen .
2. Fehlende Alt-Texte (53,1 %)
🚫 Das Problem
Screenreader lesen den Alternativtext eines Bildes vor. Fehlt er, erfahren blinde Nutzer nicht, was das Bild zeigt. Unvollständige oder sehr kurze Alt-Texte erklären das Bild auch leider oft nicht ausreichend.
✅ Die Lösung
- Hinterlege den Alt-Text in der Mediathek oder im Block-Editor in der Seitenleiste unter Alternativer Text.
- Beschreibe, was für den Inhalt wichtig ist.
- Rein dekorative Bilder bekommen ein leeres Alt-Attribut. So überspringt der Screenreader sie.
- Bilder mit Text oder Diagramme brauchen eine ausführliche Beschreibung im Text.
- KI-Tools können Alt-Texte vorschlagen. Prüfe die Vorschläge aber immer selbst.
"Es reicht nicht nur 'Bild von Katze' zu schreiben, sondern man muss das richtig ausführen. Wir sind ja jetzt quasi blind auf der Webseite unterwegs."
Jessica Lyschik im Podcast „Hör mal wer da Hosted“
Viele Tipps zur Barrierefreiheit direkt aus der WordPress Community findet ihr zum Beispiel bei Maja Benke in ihrem Artikel: Alt-Texte in WordPress .
3. Formularfelder ohne Beschriftung (51 %)
🚫 Das Problem
Viele Kontaktformulare nutzen Platzhalter wie „Deine E-Mail“. Der Platzhalter verschwindet allerdings oft beim Tippen und wird daher von Screenreadern oft nicht vorgelesen.
✅ Die Lösung
- Jedes Feld braucht ein sichtbares Label , das technisch mit dem Feld verknüpft ist.
- Markiere Pflichtfelder deutlich – nicht nur mit Farbe.
- Fehlermeldungen müssen beschreiben, was falsch ist und wie es richtig geht.
- Buttons brauchen einen klaren Text wie „Jetzt Anfrage senden“ statt nur „Senden“.
- Vermeide CAPTCHAs, die nur visuell funktionieren.
Die meisten Formular-Plugins wie Formidable Forms setzen Labels korrekt – solange du sie nicht ausblendest.
4. Leere Links (46,3 %)
🚫 Das Problem
Ein Link ohne Text, zum Beispiel ein Social-Media-Icon oder ein verlinktes Logo ohne Alt-Text wird vom Screenreader nur als „Link“ angesagt. Niemand weiß, wohin er führt.
✅ Die Lösung
- Gib Icon-Links eine Beschriftung: über ein
aria-labeloder einen visuell versteckten Text. - Verlinkte Logos brauchen einen Alt-Text wie „Startseite“ plus Firmenname.
- Vermeide Linktexte wie „hier“ oder „mehr“. Besser: „Checkliste Barrierefreiheit herunterladen“.
5. Leere Buttons (30,6 %)
🚫 Das Problem
Buttons, die nur aus einem Icon bestehen, wie zum Beispiel Suche, Menü, Warenkorb, Slider-Pfeile – haben oft keinen zugänglichen Namen.
✅ Die Lösung
Jeder Button braucht einen passenden Namen, den der Screenreader richtig vorlesen kann. Zum Beispiel:
‼️ Übrigens ist ein Button-Text wie „Jetzt testen“ für Screenreader-Nutzer wenig verständlich, da daraus nicht eindeutig hervorgeht, was getestet werden kann. Beschrifte deine Buttons daher möglichst vollständig. Richtig wäre zum Beispiel: „Jetzt Demo Migration kostenlos testen“.
In Elementor Pro kannst du bei vielen Widgets unter Erweitert > Attribute ein aria-label ergänzen.
Ein aria-label ist ein HTML-Attribut , das einem Bedienelement auf einer Webseite einen textbasierten Namen (ein sogenanntes barrierefreies Label) zuweist. Dieser Name ist für sehende Nutzer normalerweise unsichtbar, wird aber von Hilfsmitteln wie Screenreadern vorgelesen.
6. Fehlende Sprachangabe (13,5 %)
🚫 Das Problem
Ohne Sprachangabe weiß der Screenreader nicht, in welcher Sprache er vorlesen soll. Ein deutscher Text klingt in der Aussprache dann wie Englisch.
✅ Die Lösung
- Stelle unter Einstellungen > Allgemein > Sprache der Website die richtige Sprache ein. WordPress setzt dann automatisch das
lang-Attribut. - Bei mehrsprachigen Seiten sorgen Language-Plugins wie WPML oder Polylang dafür, dass jede Sprachversion das richtige Attribut bekommt.
- Einzelne fremdsprachige Passagen kannst du mit
lang="en"auszeichnen.
Weiterführende Barrieren auf WordPress Webseiten

7. Tastaturbedienung und Fokus
🚫 Das Problem
Viele Menschen bedienen Webseiten nur mit der Tastatur. Funktionieren Elemente wie Menü, Pop-up oder Cookie-Banner allerdings nur mit der Maus oder du siehst nicht, wo du dich gerade auf der Webseite befindest, kommen deine Nutzer nicht weiter.
✅ Die Lösung
- Alle Links, Buttons, Menüs und Formulare müssen mit Tab, Enter und den Pfeiltasten erreichbar sein.
- Die Reihenfolge muss logisch sein. Sie ergibt sich aus der Reihenfolge im HTML – vermeide positive
tabindex-Werte. - Das fokussierte Element muss gut sichtbar sein und darf nicht von einem Sticky-Header verdeckt werden.
- Ein „Zum Inhalt springen“-Link am Seitenanfang spart Tastaturnutzern viel Zeit.
- Pop-ups müssen sich mit der Escape-Taste schließen lassen.
- Klickflächen sollten mindestens 24 × 24 px groß sein.
Baust du diesen Code richtig ein, machst du den Fokus sichtbar:
:focus-visible {
outline: 3px solid #ff9900;
outline-offset: 2px;
} Leg die Maus weg und versuche, mit der Tab-Taste durch deine Startseite zu navigieren und das Kontaktformular abzuschicken.
Nicht richtig machbar? Dann solltest du hier nochmal nacharbeiten.
8. Überschriften und Struktur
🚫 Das Problem
Screenreader-Nutzer springen oft von Überschrift zu Überschrift, um sich einen Überblick zu verschaffen. Fehlen Überschriften komplett oder die Reihenfolgen der H‑Titel stimmen nicht, geht die Orientierung schnell verloren.
✅ Die Lösung
- Jede Seite hat nur genau eine H1 .
- Darunter folgen H2, H3, H4 in chronologischer Reihenfolge, ohne Ebenen zu überspringen.
- Wähle die Ebene nach der Struktur, nicht nach der Optik. Die Größe passt du per CSS an.
- Nutze echte Listen, Tabellen und Bereiche wie
<header>,<nav>,<main>und<footer>. - Setze ARIA-Labels nur ein, wenn es kein passendes HTML-Element gibt. Die erste Regel von ARIA lautet: natives HTML zuerst. Details findest du bei SELFHTML .
9. Schrift und Lesbarkeit
🚫 Das Problem
Eine zu kleine Schrift, zu enge Zeilen und lange Textblöcke erschweren das Lesen. Auch verschnörkelte Zier- und Schreibschriften sind schwer zu lesen.
✅ Die Lösung
- Die Größe des Fließtexts sollte mindestens 16 px haben, besser 18 px.
- Wähle beim Zeilenabstand etwa das 1,5-Fache der Schriftgröße.
- Gib die Schriftgrößen in
remstattpxan, damit Nutzer sie im Browser vergrößern können. - Die Seite muss bei 200 % Zoom noch funktionieren, ohne dass Inhalte abgeschnitten werden.
- Wähle eine einfache, gut lesbare Schrift mit klar unterscheidbaren Zeichen (z. B. I, l und 1).
👉🏻 Mehr zum Thema DSGVO-konforme und barrierefreie Schriften findest du hier: WordPress Schriften finden, verändern und integrieren und Google Fonts DSGVO-konform einbinden .
10. Verständliche Sprache
🚫 Das Problem
In Deutschland haben rund 6,2 Millionen Erwachsene Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben (LEO-Studie 2018). Dazu kommen Nicht-Muttersprachler und Menschen mit kognitiven Einschränkungen. Eine komplexe Sprache mit vielen Fachbegriffen oder Fremdwörtern kann Nutzern das Verstehen deiner Webseite erschweren.
✅ Die Lösung
- Schreibe kurze Sätze mit einem klar verständlichen Inhalt pro Satz.
- Verwende aktive Verben statt Substantivierungen.
- Erkläre Fachbegriffe beim ersten Vorkommen oder verlinke auf ein Glossar wie unser WordPress Lexikon .
- Gliedere lange Texte mit Zwischenüberschriften, Absätzen und Listen.
Für besonders wichtige Inhalte kannst du eine Version in leichter Sprache anbieten. Hilfe und Unterstützung findest du zum Beispiel bei: Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache .
11. Videos und Audio
🚫 Das Problem
Videos ohne Untertitel schließen gehörlose und schwerhörige Menschen aus. Laut einem Test von Aktion Mensch fehlen Untertitel besonders häufig in deutschen Online-Shops. Inhalte werden dadurch nur für einen gewissen Personenkreis zugänglich.
✅ Die Lösung
- Biete für Videos Untertitel an. Social Media Plattformen wie YouTube bieten mittlerweile alle automatisierte Untertitel an – prüfe und korrigiere sie trotzdem.
- Stelle für Podcasts und Audios ein Transkript bereit.
- Videos sollten nicht automatisch auf deiner Webseite starten, sondern durch aktives Anklicken ausgelöst werden. Das beugt vor allem einer sensorischen Reizüberflutung vor. Außerdem übertönt das Video nicht den Screenreader, der für die Orientierung von blinden Menschen und stark Sehbehinderten auf deiner Seite unerlässlich ist.
12. Slider und Animationen
🚫 Das Problem
Automatisch wechselnde Slider sind für viele Menschen schwer zu verfolgen. Animationen können bei manchen Menschen Schwindel auslösen.
✅ Die Lösung
- Alles, was sich länger als 5 Sekunden automatisch bewegt, braucht eine sichtbare Pause-Taste .
- Slider-Pfeile und -Punkte müssen per Tastatur bedienbar und beschriftet sein.
- Noch besser: Verzichte auf automatische Slider und zeige die wichtigste Botschaft statisch oder mit Elementen, die Nutzer selbst anklicken.
Respektiere außerdem die Systemeinstellung „Bewegung reduzieren“:
@media (prefers-reduced-motion: reduce) {
* {
animation: none !important;
transition: none !important;
}
} 13. PDF-Dokumente
🚫 Das Problem
Viele PDFs sind eingescannte Bilder ohne Text, ohne Struktur und ohne Alt-Texte. Screenreader können diese nicht lesen.
✅ Die Lösung
- Biete wichtige Inhalte möglichst als HTML-Seite an.
- Wenn ein PDF nötig ist: Erstelle es aus einer gut strukturierten Vorlage mit Überschriften, Alt-Texten und Dokumentsprache.
- Prüfe es mit Adobe Acrobat Pro oder dem kostenlosen PDF Accessibility Checker (PAC) gegen den Standard PDF/UA .
So machst du deine WordPress-Webseite BFSG-fit – Kurz-Tutorial

Wie unsere Auflistung der häufigsten Fehler und Barrieren zeigt, hängt eine vollständige WordPress Barrierefreiheit von vielen Faktoren ab. Da der vollständige Umbau einer Webseite in der Praxis sehr lange andauern kann, empfehlen wir dir, dich frühzeitig mit der Barrierefreiheit deiner Seite auseinanderzusetzen.
Viele Unternehmen stecken auch nach dem Stichtag im Juni 2025 noch mitten im Umbau ihrer Webseiten. Je früher du anfängst, desto entspannter wird die Umsetzung.
Deshalb haben wir in einer Kurzübersicht die wichtigen Schritte für mehr Barrierefreiheit bei WordPress für dich aufgelistet:
- Betroffenheit prüfen: Bist du vom BFSG betroffen? Schließen Verbraucher über deine Webseite Verträge ab? Bist du ein Kleinstunternehmen? Nutze die Übersicht aus Kapitel 2.
- Automatisiert testen: Prüfe deine wichtigsten Seiten mit kostenlosen Tools wie WAVE , der Browser-Erweiterung axe DevTools oder dem Lighthouse-Test in Chrome. Solche Tools finden aber nur einen Teil der Fehler.
- Manuell testen: Bediene deine Seite einmal selbst nur mit der Tastatur. Teste sie auch mit einem Screenreader und schaue, ob du alle Elemente richtig auslesen und durchnavigieren kannst. Zoome auf 200 %.
- Fehler priorisiert beheben: Starte mit der barrierefreien Anpassung der wichtigsten Seiten, wie beispielsweise: Startseite, Produktseiten, Warenkorb, Checkout, Kontaktformular. Beginne am besten mit den sechs häufigsten Fehlern (vgl. oben).
- Barrierefreiheitserklärung veröffentlichen: Beschreibe dein Angebot, die umgesetzten Maßnahmen und bekannte Einschränkungen. Nenne die zuständige Marktüberwachungsbehörde und verlinke die Seite im Footer.
- Dauerhaft prüfen: Nach jedem Theme-, Plugin- oder Elementor-Update können neue Fehler entstehen. Plane regelmäßige Kurztests ein und schule alle, die Inhalte einpflegen.
Die Checkliste zum Download
In unserer Checkliste findest du alle zentralen Punkte für die Barrierefreiheit bei WordPress noch einmal zusammengefasst. Du kannst alle Punkte ganz einfach abhaken und behältst so den Überblick über deinen Fortschritt.
Nick und Adrian sprechen mit zwei Expertinnen über barrierefreie WordPress-Webseiten.
5. WordPress Barrierefreiheit lohnt sich für alle Nutzer

Barrierefreiheit ist 2026 für viele Online-Shops Pflicht – und für alle anderen ein klarer Vorteil. WordPress liefert eine solide Grundlage. Die meisten Fehler entstehen durch Theme, Plugins und Inhalte und lassen sich mit wenig Aufwand beheben. Starte mit dem Tastaturtest und den sechs häufigsten Fehlern – dann bist du schon einen großen Schritt weiter.
Wie gehst du die Barrierefreiheit deiner Webseite an? Werde Teil der Lösung und berichte uns von deinen Erfahrungen in den Kommentaren. 🙂
Häufige Fragen zur WordPress Barrierefreiheit
Nur wenn Verbraucher über sie Verträge abschließen können, etwa in einem Online-Shop oder bei Buchungen. Reine Infoseiten, B2B-Angebote und Kleinstunternehmen mit Dienstleistungen sind vom BFSG ausgenommen.
Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und höchstens 2 Mio. Euro Umsatz oder Bilanzsumme sind ausgenommen, wenn sie Dienstleistungen anbieten. Für Produkte gilt die Ausnahme nicht.
Bis zu 100.000 Euro für nicht barrierefreie Angebote und bis zu 10.000 Euro für fehlende Pflichtinformationen. Die Behörde kann außerdem verlangen, dass du dein Angebot bis zur Behebung einstellst.
Nein. Plugins können helfen, einzelne Punkte umzusetzen. Overlays beheben aber keine Fehler im Code und machen deine Webseite nicht gesetzeskonform.
Der WordPress Core ist weitgehend barrierefrei. Ob deine Webseite es ist, hängt von Theme, Plugins, Page-Builder und deinen Inhalten ab.
Eine Seite, auf der du erklärst, wie dein Angebot die Anforderungen an Barrierefreiheit erfüllt, wo es noch Einschränkungen gibt und welche Behörde zuständig ist. Für BFSG-pflichtige Angebote ist sie Pflicht.

Danke für diese Zusammenfassung zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Wichtig wäre aber zu erwähnen, dass Kleinstunternehmen die Dienstleistungen erbringen vom Anwendungsbereich des Gesetzes ausgenommen sind:
„Kleinstunternehmen sind Unternehmen, die weniger als 10 Personen beschäftigen und die
entweder einen Jahresumsatz von höchstens 2 Millionen Euro erzielen oder deren
Jahresbilanzsumme sich auf höchstens 2 Millionen Euro beläuft. Wenn das in Beispiel 3 genannte
Friseurgeschäft also beispielsweise 1 Million Euro Umsatz im Jahr macht und nur 4 Mitarbeiter
beschäftigt, muss es die Barrierefreiheitsanforderungen nicht beachten, obwohl es
Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr anbietet. Beschäftigt das Friseurgeschäft
jedoch 4 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von 2,1 Millionen Euro im Jahr, ist es kein
Kleinstunternehmen nach dem BFSG. Gleiches gilt, wenn es 10 Mitarbeiter beschäftigt und einen
Jahresumsatz von 1 Million Euro erzielt.“