Warum WordPress gerade jetzt nicht überflüssig wird
Immer wieder hört man online gerade die These: WordPress ist tot . Vor allem in Zeiten von KI scheint die Idee besonders verlockend zu sein, Webseiten einfach per Prompt in wenigen Minuten zu erstellen. Ist es auch!
Doch die eigentliche Frage ist nicht, ob KI schnell erste Entwürfe liefern kann, sondern was danach passiert. Denn sobald Inhalte wachsen, Funktionen dazukommen und Prozesse sauber abgebildet werden müssen, zeigt sich, wie wichtig ein stabiles und flexibles System im Hintergrund ist.
Genau hier spielt WordPress seine Stärken aus: Offenheit, Erweiterbarkeit, Community und die Kontrolle über die eigenen Daten. Deshalb ist WordPress nicht überholt, sondern gerade jetzt als solides Fundament spannender denn je.
Inhaltsverzeichnis
1. KI macht den Einstieg leichter – aber ersetzt kein System
Der Reiz von KI ist offensichtlich: Du gibst einen Prompt ein und bekommst Texte, Layouts, Bilder, Strukturen oder sogar erste Funktionsideen. Gerade für kleine Projekte, erste Entwürfe und schnelle Tests ist das enorm hilfreich. Daran gibt es auch nichts kleinzureden oder wegzurationalisieren.
Hier beginnt aber oft auch das Missverständnis. Viele denken, „schnell erzeugt“ ist mit „nachhaltig gelöst“ gleichzusetzen. Hinweis unsererseits: Das ist nicht dasselbe.
Eine Website besteht nicht nur aus einer Startseite mit netter Headline. Sie besteht aus Inhalten, Zuständigkeiten, Änderungswünschen, Workflows und technischen Abhängigkeiten. Und irgendwann kommt fast immer der Moment, an dem aus einer simplen Webseite etwas werden soll, das wirklich arbeitet: ein Buchungssystem, ein Shop, ein Mitgliederbereich, ein Redaktionsprozess, eine Schnittstelle, ein Reservierungsformular oder eine Anbindung an Zahlungsdienste.
KI ersetzt nicht automatisch WordPress. KI verändert nur, wie wir WordPress benutzen.
Der eigentliche Vorteil von WordPress liegt nicht nur im Editor
Viele Diskussionen über WordPress bleiben leider oft an der Oberfläche, weil sie WordPress auf einen Bruchteil reduzieren: nämlich auf das klassische „Seiten anlegen, Plugins installieren, Theme auswählen“. Der eigentliche Wert von WordPress liegt aber tiefer.
WordPress bringt einen stabilen Unterbau mit:
- Benutzerrollen,
- Medienverwaltung,
- APIs,
- Themes,
- Plugins,
- Editor,
- Revisionssystem,
- Community-Support
- und eine freie Softwarebasis.
Genau diese Kombination macht WordPress als System besonders robust. WordPress selbst beschreibt das sehr deutlich:
Du behältst die Kontrolle über Code, Inhalte und Daten, kannst das System beliebig erweitern und profitierst gleichzeitig von einer sehr großen Community und Tausenden Plugins.
Das ist ein Punkt, den manche Nutzer oder auch Gegner im KI-Hype leicht vergessen. Viele KI-Tools erzeugen schnell gute Ergebnisse, aber schaffen kein ganzheitliches offenes Ökosystem. Sie liefern Output, aber selten dieselbe langfristige Kontrolle.
Wenn du deine Inhalte, Abläufe und Erweiterungen in den eigenen Händen behalten willst, ist WordPress strukturell auch in Zukunft ein starker Partner auf dem Markt.
2. WordPress reagiert auf KI – und zwar nicht oberflächlich

Wer so tut, als hätte WordPress das Thema KI verschlafen oder einfach nicht verstanden, schaut nicht genau hin.
Schon im Mai 2025 wurde offiziell ein eigenes WordPress AI Team angekündigt bzw. gegründet. Ziel dieses Teams ist es, KI-Projekte im Ökosystem zu koordinieren, Standards zu schaffen und neue AI-Funktionen so zu entwickeln, dass sie nicht als wilde Einzellösungen nebeneinander herlaufen.
Das ist wichtig. Denn genau darin liegt eine Stärke von WordPress: Dinge werden nicht nur als Demo gedacht, sondern als Teil der gesamten Infrastruktur.
Im Moment wird das rund um WordPress 7.0 besonders sichtbar. Es geht momentan nicht darum, irgendwo einen Chatbot ins Backend zu setzen.
Stattdessen entsteht mit dem AI Client eine providerunabhängige Grundlage, über die Plugins mit verschiedenen KI-Modellen arbeiten können. Ergänzt wird das durch die neue Connectors API , die Verbindungen zu externen Diensten standardisieren soll – zunächst vor allem zu KI-Anbietern wie zum Beispiel OpenAI (ChatGPT).
Die Idee dahinter ist klar: nicht jedes Plugin soll Nutzer künftig einzeln nach API-Keys und Zugängen fragen, sondern WordPress soll dafür einen zentralen, gemeinsamen Einstiegspunkt bieten.
Aus Perspektive der Anwender ist das ein ziemlich großer Schritt für das WordPress Ökosystem.
WordPress KI Fokus: Systemlogik, nicht Textgenerierung
Beim Thema KI reden viele über Texte und Bilder. Das greift zu kurz, kann KI doch deutlich umfassender in ein System wie WordPress integriert werden.
Die wirklich spannende Frage ist doch: Kann WordPress mit KI dabei helfen, Funktionen schneller und intelligenter umzusetzen? Nicht nur schöner schreiben, sondern tatsächliche Anforderungen besser abbilden?
In dieser These steckt ein besonders spannender Gedanke drin, der leicht zu übersehen ist: Es ist leicht, aus dem Nichts irgendetwas zu erzeugen. Viel interessanter wird es, wenn ein System intelligent erkennt, was bereits vorhanden ist.
Beispiel:
Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Jemand will für ein Restaurant eine Reservierungsfunktion mit PayPal-Anbindung. Die naive KI-Antwort wäre:
„Ich schreibe dir dafür ein neues Plugin.“
Die bessere WordPress-Antwort wäre:
„Moment, dafür gibt es vielleicht schon etablierte Formular- oder Booking-Plugins. Ich prüfe erstmal, was vorhanden ist, was stabil läuft und wie sich das sinnvoll kombinieren lässt.“
In dieser Art zu arbeiten und zu denken liegt die Zukunft von WordPress und KI: nicht neu erfinden, sondern den vorhandenen Schatz im Ökosystem besser nutzbar machen.
Tausende Plugins, jahrelang gewachsene Standards, APIs, Rollenmodelle und Erweiterungspunkte sind bereits da. Wenn KI das künftig intelligenter zusammenführt, statt bei null anzufangen, entsteht ein riesiger Mehrwert für Nutzer und Unternehmen.
3. WordPress ist nicht nur Code – auch Community
Im Gespräch mit Robert Windisch (Syde) ist auch ein weiterer Aspekt für die Zukunft von WordPress wichtig: WordPress ist nicht nur Code. Es ist auch Community.
Das klingt im ersten Moment vielleicht merkwürdig, ist aber in der Praxis von großer Relevanz. Wer Robert kennt, weiß, dass er untrennbar mit der WordPress Community verbunden ist. Der Punkt dahinter ist: Wenn du bei einem proprietären KI-Baukasten an deine Grenzen stößt, bist du oft von diesem Anbieter abhängig.
Bei WordPress ist das aber gerade eben anders. Du hast Foren, Meetups, Agenturen, Freelancer, Hoster, Entwickler – eine riesige Community, die seit Jahren mit dem System arbeitet und selbstständig an seiner Weiterentwicklung arbeitet.
Die riesige Community ist ein handfester Vorteil. Durch die zunehmende Integration von KI bei WordPress, braucht es nicht nur Features, sondern auch Menschen, die sie verstehen, erweitern und im Alltag nutzbar machen.
Genau deshalb ist WordPress kein System, das einfach verschwindet: Der Open-Source-Gedanke ist viel zu zentral. Du hast deine Daten in der Hand, du kannst das System portieren, du kannst es anpassen, du kannst dir Hilfe holen – du bist komplett frei und unabhängig. Das hast du bei vielen geschlossenen Baukasten- und KI-Plattformen nicht.
Es stellt sich uns oft die Frage, warum so viele Anstoß an WordPress finden, und vielleicht ist genau das der Grund, warum sich so viele an WordPress „abarbeiten“. Kaum jemand schreibt provokant „Webflow ist tot“ oder erklärt kleinere Nischenprodukte zum Symbol der Vergangenheit. Der Angriff richtet sich oft gegen WordPress, weil WordPress im offenen Web nach wie vor das sichtbarste System ist.
4. WordPress 7.0 zeigt, wohin die WordPress Reise geht

Auch beim Thema WordPress 7.0 Release zeigt sich gerade, dass WordPress lieber etwas konservativer vorgeht als vorschnell.
Der Veröffentlichungszeitpunkt des 7.0 Releases wurde vor wenigen Tagen noch einmal um einige Wochen verlängert, um Architekturfragen sauber abzuschließen. Hintergrund ist vor allem die große technische Grundlage der neuen Echtzeit-Kollaboration-Funktion.
Die Echtzeit-Kollaboration für Teams ist Teil der Gutenberg Entwicklungsphase 3. Daher ist die Einführung dieser neuen Großfunktion ein zentraler Faktor des Updates und wird schon länger vorbereitet.
Offizielle Core-Beiträge zeigen, dass die Zusammenarbeit in Echtzeit auf einem technischen Unterbau mit Synchronisationsmechanismen basiert, dass sie per Standard zunächst vorsichtig gehandhabt wird und dass man gleichzeitig bereits auf Hosting- und Lastfragen reagiert hat, etwa mit längeren Polling-Intervallen und einer opt-in-orientierten Steuerung.
Neue Technik ist gut, aber sie muss auch unter realen Bedingungen funktionieren. Gerade wir als Hosting Partner wissen, dass Kollaboration, heartbeat-artige Verbindungen und dauernde Synchronisation eben nicht nur ein UX-Thema sind, sondern vor allem ein Infrastruktur-Thema.
KI wird WordPress nicht verdrängen – sie wird die Eintrittshürde senken
Wenn wir unser Gespräch mit Robert und alle diese neuen Informationen einmal zusammennehmen, ergibt sich ein spannendes Zukunftsbild für WordPress – insbesondere auch anhaltende Diskurse zu WordPress.
KI wird WordPress nicht überflüssig machen. Sie wird eher dafür sorgen, dass mehr Menschen schneller produktiv damit arbeiten können.
Der eigentliche Hebel ist nicht die Frage „WordPress oder KI“, sondern WordPress durch KI einfacher, zugänglicher und leistungsfähiger zu machen .
Der Einstieg in den WordPress Kosmos kann dadurch wesentlich leichter werden. Du kannst zwar mit einem Klick eine WordPress-Instanz aufsetzen, aber danach stehst du oft erstmal vor einer leeren Umgebung. Hier kann dir die KI zukünftig helfen: Seitenvorschläge machen, Inhalte strukturieren, passende Funktionen vorschlagen, vorhandene Plugins intelligent einbeziehen und Anforderungen in funktionierende Lösungen übersetzen.
5. WordPress wird in Zeiten von KI nicht unwichtiger

KI verändert nur die Rolle von WordPress.
Die Zukunft liegt nicht darin, dass WordPress jeden geschlossenen KI-Baukasten nachahmt. Die Zukunft liegt darin, dass WordPress das offene System bleibt, auf dem KI sinnvoll, nachvollziehbar und erweiterbar eingesetzt werden kann.
Die entscheidende Frage ist also nicht, ob KI Webseiten bauen kann. Das kann sie längst. Die viel wichtigere Frage ist doch, auf welchem Fundament diese Webseiten in sechs Monaten, in einem Jahr oder in drei Jahren noch tragfähig sind.
Und dabei hat WordPress in unseren Augen auch weiterhin sehr gute Karten. Vielen Dank, Robert, für das Gespräch und deine Zeit! 🙂