GPSR in WooCommerce umsetzen 2026

Beitragsgrafik – WooCommerce rechtssichere Preisanpassungen
21. October 2026

Jeder von uns hat mal einen Online-Shop gesehen, der nicht wirklich seriös wirkte: Eine Produktseite, auf der Herstelleradresse und Warnhinweise fehlen. Ein Sale-Banner mit Streichpreis, aber ohne Angabe zum niedrigsten Preis der letzten 30 Tage. Ein Duschgel ohne Grundpreis.

Klingt nach Kleinigkeiten, ist aber genau das, wonach Abmahnanwälte und Marktüberwachungsbehörden seit 2024 suchen. Gerade beim Thema GPSR WooCommerce herrscht bei vielen Shopbetreibern noch große Unsicherheit.

 

Seit dem 13. Dezember 2024 muss jedes Produktangebot vier Pflichtangaben enthalten: Herstellerangaben, einen Verantwortlichen in der EU, eindeutige Produktkennungen und Warnhinweise. Diese Infos gehören direkt auf die Produktseite. Ein Verweis auf eine andere Seite reicht in der Regel nicht.

 

In diesem Artikel schauen wir uns an, was die EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR) und die Preisangabenverordnung (PAngV) konkret von deinem Shop verlangen. Danach zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du beides in WooCommerce umsetzt, welche Plugins dir dabei helfen und wie du die Pflege auch bei großen Katalogen dauerhaft im Griff behältst.

Rechtshinweis

Dieser Artikel bietet einen praxisnahen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.

Inhaltsverzeichnis

1. Was bedeuten GPSR und PAngV und warum betrifft es deinen Shop?

Blog Was ist

Bei GPSR und PAngV handelt es sich um zwei Regelwerke für Online-Shops, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: Verbraucher sollen beim Online-Kauf genau wissen, was sie kaufen und was es wirklich kostet. Die GPSR kümmert sich um das „Was ist es“, die PAngV um das „Was kostet es“.

Was ist die GPSR?

GPSR steht für „General Product Safety Regulation“, auf Deutsch Allgemeine Produktsicherheitsverordnung, und regelt, welche Informationen auf der Produktseite zu finden sein müssen. Die Verordnung gilt seit dem 13. Dezember 2024 unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten und hat die alte Produktsicherheitsrichtlinie abgelöst.

Was ist die PAngV?

Die Preisangabenverordnung (PAngV) regelt, wie Preise gegenüber Verbrauchern angegeben werden müssen. Die aktuelle Fassung gilt seit dem 28. Mai 2022 und setzt die EU-Omnibus-Richtlinie in deutsches Recht um. Für Shops ist hierbei besonders wichtig, dass Angaben zu Gesamtpreis, Grundpreis und die Regeln für Preisermäßigungen gemacht werden.

Welche Online-Shops sind betroffen?

Von diesen rechtlichen Rahmenbedingungen ist so gut wie jeder Shop betroffen, der an Verbraucher verkauft. Die GPSR gilt für alle Verbraucherprodukte, die in der EU online angeboten werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob du einen kleinen Nebenerwerbs-Shop mit 20 Produkten oder einen Katalog mit 20.000 Artikeln betreibst. Eine Bagatellgrenze für kleine Händler gibt es nicht. Auch Dropshipping-Shops, Händler mit Eigenmarken und Anbieter, die aus Drittstaaten in die EU verkaufen, sind erfasst.

Die PAngV gilt für alle, die Verbrauchern in Deutschland Waren oder Leistungen anbieten. Reine B2B-Shops, die nachweislich nur an Unternehmer verkaufen, fallen nicht unter die PAngV. Bei der GPSR kommt es darauf an, ob ein Produkt für Verbraucher bestimmt ist oder von ihnen genutzt werden kann.

Die Unterschiede zwischen GPSR und PAngV erklärt

GPSR PAngV

Rechtsgrundlage

Verordnung (EU) 2023/988

Preisangabenverordnung (Deutschland), Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/2161

Gilt seit

13. Dezember 2024

28. Mai 2022 (Neufassung)

Geltungsbereich

Unmittelbar in der gesamten EU

Deutschland; andere EU-Länder haben eigene, ähnliche Gesetze

Wo im Shop sichtbar?

Produktseite: Hersteller, EU-Verantwortlicher, Produktidentifikation, Warnhinweise

Preisbereich: Gesamtpreis, Grundpreis, Streichpreis, Versandkostenhinweis

Warum das für WooCommerce Shops so ein wichtiges Thema ist

WooCommerce bringt von Haus aus keine Felder für GPSR-Angaben, Grundpreise oder eine rechtssichere Streichpreis-Logik mit. Diese Lücke schließen Plugins wie Germanized oder German Market. Die Daten müssen trotzdem für jedes Produkt sauber gepflegt werden – gerade für sehr große Shops mit vielen Produkten ist das die eigentliche Herausforderung.

Welche Risiken gibt es?

Weist du deine Produkte nicht richtig aus, kann es auf Rechtswegen zu Konsequenzen kommen:

 

  • Abmahnungen – Fehlende Pflichtangaben gelten als Wettbewerbsverstoß. Mitbewerber und abmahnberechtigte Verbände können dich kostenpflichtig abmahnen und eine Unterlassungserklärung verlangen. Jeder spätere Verstoß gegen diese Erklärung kostet dann eine Vertragsstrafe.
  • Wer ist zuständig? – Für die GPSR sind in Deutschland die Marktüberwachungsbehörden zuständig. Das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) wurde zum 19. Februar 2026 an die GPSR angepasst und regelt Befugnisse sowie Bußgelder. Behörden können Angebote beanstanden und im Ernstfall vom Markt nehmen lassen.
  • Konsequenzen auf Marktplätzen – Amazon, eBay und Co. sperren Angebote ohne GPSR-Daten inzwischen konsequent. Fehlen die Felder in deinem Produktfeed, ist das Angebot dort schlicht nicht sichtbar.
Wichtig zu wissen

Die GPSR gilt EU-weit einheitlich.

Die PAngV ist dagegen deutsches Recht.

 

Verkaufst du gezielt in andere EU-Länder, etwa mit Länderversion, Landessprache oder eigener Versandoption, musst du dort die jeweiligen nationalen Preisregeln beachten.

 

Die gute Nachricht: Weil alle auf derselben EU-Richtlinie beruhen, sind die Grundprinzipien (Gesamtpreis, Grundpreis, 30-Tage-Regel) überall ähnlich. Die Details unterscheiden sich aber. In diesem Artikel beziehen wir uns bei den Preisangaben auf die deutsche PAngV.

Rechtsfolgen im Überblick: GPSR und PAngV getrennt betrachtet

Gerade bei Online-Verkäufen werden die Gesetze immer strenger, da es hier unfassbar viele Betrugsfälle gibt.

Die Behörden schauen daher genauer hin – und auch Mitbewerber prüfen immer öfter per Abmahnung. Saubere Pflichtangaben schützen dich doppelt: rechtlich und als Vertrauenssignal, das deinen Shop klar von Fake-Shops abhebt.

Rechtsfolge GPSR PAngV

Abmahnung und Unterlassung

Möglich, fehlende Pflichtangaben gelten als Wettbewerbsverstoß

Möglich, fehlerhafte Preisangaben sind ein klassischer Abmahngrund

Bußgelder

Nach dem Produktsicherheitsgesetz (ProdSG), verhängt durch die Marktüberwachung

Ordnungswidrigkeit, Bußgeld bis 25.000 €

Behördliche Maßnahmen

Anordnungen bis hin zu Verkaufsverbot, Rücknahme oder Rückruf bei Sicherheitsmängeln

Keine Rückrufe, denn es geht um die Preisdarstellung, nicht um das Produkt

Wer kontrolliert?

Marktüberwachungsbehörden der Länder, zusätzlich Mitbewerber und Verbände

Zuständige Landesbehörden, zusätzlich Mitbewerber und Verbände

Spannender Fakten Check: Warum die Regeln für Onlineshops strenger werden
  • Rekord bei gefährlichen Produkten: 2025 gingen im EU-Schnellwarnsystem Safety Gate 4.671 Warnmeldungen ein, so viele wie noch nie und 13 % mehr als im Vorjahr. Mit 2.006 Meldungen stammte fast jedes zweite gefährliche Produkt aus China.
  • Fake-Shops: Bei den Verbraucherzentralen gingen 2025 rund 10.000 Beschwerden zu Fake-Shops ein. Fast jeder achte Online-Shopper ist in den letzten zwei Jahren auf einen Fake-Shop hereingefallen.
  • Betrug aus dem Ausland: Im Inland gingen Betrug und Cyberkriminalität 2025 leicht zurück, Cybercrime-Taten aus dem Ausland steigen aber seit Jahren und lagen 2025 bei 207.888 Fällen.
  • Paketflut: 2024 kamen rund 4,6 Milliarden Kleinsendungen in die EU, 91 % davon aus China. Seit dem 1. Juli 2026 fällt deshalb die 150-Euro-Zollfreigrenze weg.
  • Digitale Kontrolle: Ein Webcrawler der EU durchsuchte 2025 über 1,6 Millionen Websites und spürte mehr als 20.800 Angebote bekannter gefährlicher Produkte auf.

2. GPSR und PAngV Richtlinien im Detail

GPSR Pflichtangaben und PAngV im Detail

GPSR Pflichtangaben: Was muss auf WooCommerce Produktseiten stehen?

Die EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR) verpflichtet Online-Händler dazu, bestimmte Produkt- und Sicherheitsinformationen bereits vor dem Kauf bereitzustellen. Für WooCommerce-Shops bedeutet das: Neben Preis und Produktbeschreibung müssen auch Angaben zum Hersteller, zur Produktidentifikation und gegebenenfalls zu Sicherheitsrisiken gut sichtbar auf der Produktseite stehen. Die folgende Tabelle zeigt, welche Informationen erforderlich sind und wie du sie in deinem Shop umsetzen kannst.

Pflichtangabe Was muss angegeben werden? Beispiel

Herstellerangaben

Name, eingetragener Handelsname oder Marke sowie Postanschrift und elektronische Kontaktadresse (E-Mail oder Kontaktformular).

MahlWerk GmbH, Musterstraße 12, 10115 Berlin, service@mahlwerk.de

EU-Verantwortlicher

Sitzt der Hersteller außerhalb der EU, müssen zusätzlich Name, Postanschrift und elektronische Kontaktadresse der verantwortlichen Person in der EU angegeben werden.

Bei LED-Lichterketten aus China werden neben dem Hersteller auch die Kontaktdaten des verantwortlichen EU-Wirtschaftsakteurs angegeben.

Produktidentifikation

Informationen zur eindeutigen Identifizierung des Produkts, insbesondere eine Produktabbildung und Angaben zu Produkttyp oder Modell. Ergänzend können Chargen-, Seriennummern oder EAN verwendet werden.

Elektrische Kaffeemühle, Modell MW-200, EAN 4012345678901 inklusive Produktbild.

Warnhinweise und Sicherheitsinformationen

Relevante Warnhinweise und Sicherheitsinformationen müssen in einer für Verbraucher leicht verständlichen Sprache bereitgestellt werden. In Deutschland grundsätzlich auf Deutsch.

„Achtung: Nicht für Kinder unter 36 Monaten geeignet. Enthält verschluckbare Kleinteile.“

Wichtig für WooCommerce

Eine allgemeine Herstellerliste im Footer oder ausschließlich im Impressum reicht in der Regel nicht aus. Pflichtinformationen dürfen außerdem nicht erst nach dem Kauf zugänglich sein.

 

Die Tabelle behandelt die GPSR. Welche zusätzlichen Anforderungen die Preisangabenverordnung (PAngV) an Gesamtpreise, Grundpreise und Preisermäßigungen stellt, erfährst du weiter unten.

Wo müssen die Angaben auf der Produktseite zu finden sein?

Die Informationen müssen direkt beim Produkt zu finden sein. Für deinen WooCommerce-Shop bedeutet das, die Angaben müssen auf der Produktseite klar erkennbar sein. Zum Beispiel in einem eigenen Tab „Produktsicherheit“, in einem Akkordeon unter der Beschreibung oder in einem klar beschrifteten Infoblock.

Ein Link alleine reicht nicht aus

Ein Hinweis wie „Herstellerinformationen findest du hier“, der auf eine Sammelseite verlinkt, gilt in der Regel nicht als ausreichend. Die Angaben sollen ohne Umwege beim Produkt sichtbar sein. Bei PDFs, etwa einer Bedienungsanleitung, ist ein Download-Link als Ergänzung in Ordnung. Die Kernangaben (Hersteller, EU-Verantwortlicher, Warnhinweise) gehören aber direkt auf die Produktseite.

Müssen die GPSR-Informationen in mehreren Sprachen verfügbar sein?

Warnhinweise und Sicherheitsinformationen müssen in einer Sprache vorliegen, die Verbraucher im jeweiligen Mitgliedstaat leicht verstehen. Welche Sprache das ist, legt jedes Land selbst fest. Für Deutschland heißt das: Deutsch. Lieferst du gezielt nach Frankreich, Italien oder in die Niederlande, brauchst du die Warnhinweise auch in der jeweiligen Landessprache. Ein mehrsprachiger Shop mit WPML oder Polylang muss die GPSR-Felder also mitübersetzen.

Gut zu wissen: Sonderfälle

Hersteller außerhalb der EU: Du brauchst zwingend einen EU-Verantwortlichen. Fehlt der, darfst du das Produkt in der EU eigentlich gar nicht verkaufen. Kläre das vor der Listung mit deinem Lieferanten.

 

Dropshipping: Auch wenn die Ware nie durch deine Hände geht, bist du derjenige, der sie online anbietet. Die Pflichtangaben nach Artikel 19 musst du also trotzdem machen. Lass dir die Daten vom Lieferanten vollständig liefern, bevor ein Produkt online geht.

Welche Produkte sind von der GPSR betroffen und welche nicht?

Die GPSR erfasst grundsätzlich alle Verbraucherprodukte, egal ob neu, gebraucht, repariert oder wiederaufbereitet.

Gibt es für eine Produktgruppe speziellere EU-Vorschriften, etwa für Spielzeug, Kosmetik oder Elektrogeräte, gilt die GPSR ergänzend für alle Aspekte, die dort nicht geregelt sind. Die Informationspflichten für Online-Angebote betreffen in der Praxis deshalb fast alle Non-Food-Produkte.

Ausgenommen sind unter anderem folgende Produkt-Kategorien:

 

  • Human- und Tierarzneimittel
  • Lebensmittel und Futtermittel
  • lebende Pflanzen und Tiere sowie tierische Nebenprodukte
  • Pflanzenschutzmittel
  • Luftfahrzeuge und bestimmte Beförderungsmittel
  • Antiquitäten

 

Verkaufst du Lebensmittel, bist du damit aber nicht aus dem Schneider: Für Lebensmittel gelten eigene Pflichtangaben nach der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV), etwa Zutaten, Allergene und Nährwerte.

Händler, Hersteller oder Importeur: Welche Rolle hast du?

Welche Pflichten du nach der GPSR genau hast, hängt von deiner Rolle in der Lieferkette ab. Viele WooCommerce-Händler sind nur Händler. Mit einer Eigenmarke oder dem Direktimport aus China wirst du aber schnell selbst zum Hersteller oder Importeur.

Rolle Wann trifft das zu? Was bedeutet das für dich?

Hersteller

Du stellst ein Produkt her oder lässt es unter deinem Namen bzw. deiner Marke herstellen (Eigenmarke, Private Label).

Volle Herstellerpflichten: Risikoanalyse, technische Dokumentation, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit. Im Angebot stehen deine eigenen Daten.

Importeur

Du bringst ein Produkt eines Herstellers außerhalb der EU als Erster in der EU in Verkehr.

Du prüfst, ob der Hersteller seine Pflichten erfüllt hat, und gibst deine Kontaktdaten zusätzlich auf dem Produkt bzw. der Verpackung an.

Händler

Du verkaufst Produkte, die ein anderer hergestellt oder importiert hat.

Du prüfst vor dem Verkauf, ob Hersteller- und ggf. Importeursangaben, Kennzeichnung und Sicherheitsinformationen vorhanden sind.

Wichtig zu wissen: Produkte, die vor dem 13. Dezember 2024 in Verkehr gebracht wurden

Nach der Übergangsregel in Artikel 51 GPSR dürfen Produkte, die vor dem 13. Dezember 2024 nach der alten Produktsicherheitsrichtlinie in Verkehr gebracht wurden, weiterhin verkauft werden.

 

Das LG Berlin II hat 2026 entschieden, dass die neuen Online-Pflichtangaben für solche Altbestände nicht nachträglich ergänzt werden müssen (Händlerbund).

 

Aber: Maßgeblich ist das einzelne Exemplar, nicht der Artikel im Shop. Bestellst du Ware nach, gilt für die neue Lieferung die GPSR in vollem Umfang. Außerdem handelt es sich um eine Einzelentscheidung, die Frage ist noch nicht höchstrichterlich geklärt.

 

Unsere Empfehlung: Pflege die GPSR-Angaben trotzdem für alle Produkte. Das ist rechtssicherer und in der Praxis einfacher, weil du nicht nach Lieferchargen unterscheiden musst.

Die Pflichtangaben der Preisangabenverordnung (PAngV) im Detail

Kosten

Bei der PAngV geht es um drei Fragen: Welcher Preis muss angegeben werden, wann brauchst du zusätzlich die Angabe eines Grundpreises und was gilt bei Rabatten?

Die PAngV-Richtlinien im Überblick

Pflichtangabe Was musst du beachten?

Gesamtpreis

Endpreis inklusive Umsatzsteuer und sonstiger obligatorischer Preisbestandteile

Grundpreis

Zum Beispiel Preis pro Kilogramm, Liter oder Meter, soweit gesetzlich vorgeschrieben

Versandkosten

Hinweis auf zusätzliche Versandkosten und deren Höhe bzw. Berechnung

Umsatzsteuer

Hinweis, dass die Umsatzsteuer im Preis enthalten ist

Rabattaktionen

Bei Preisermäßigungen Angabe des niedrigsten Gesamtpreises der letzten 30 Tage

Preisplatzierung

Preisangaben müssen klar erkennbar, gut lesbar und dem Produkt eindeutig zugeordnet sein

Die Angabe des Gesamtpreises

Gegenüber Verbrauchern musst du immer folgende Preisangaben machen:

 

  • den Gesamtpreis inklusive Mehrwertsteuer
  • die Versandkosten

 

Es muss klar erkennbar sein, ob und welche Versandkosten anfallen, typischerweise über den Hinweis „inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten“ mit Link auf deine Versandkostenseite. Dieser Hinweis gehört in die Nähe des Preises und nicht erst in den Checkout.

Beispiel: 

 

✅ 29,90 €
inkl. 19 % MwSt., zzgl. Versandkosten (Link auf die Versandkostenseite)

✅ 29,90 €
inkl. MwSt., versandkostenfrei

Der korrekte Grundpreis

Verkaufst du Waren nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche, musst du neben dem Gesamtpreis auch den Grundpreis angeben. Typische Beispiele sind Lebensmittel, Kosmetik, Reinigungsmittel, Tierfutter, Stoffe, Kabel oder Farben.

Zulässige Mengeneinheiten sind:

 

  • 1 Kilogramm oder 1 Liter
  • 1 Meter, 1 Quadratmeter oder 1 Kubikmeter

Seit der Neufassung von 2022 dürfen kleinere Packungen ihren Preis nicht mehr auf 100g oder 100ml ausweisen. Stattdessen muss nun durchgehend der Preis pro 1 kg oder der Preis pro 1 l angegeben werden.

Beispiel:

 

✅ Kaffee, 500 g – 8,99 €
inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Grundpreis: 17,98 € / 1 kg

Hinweis

Der Grundpreis muss unmissverständlich, klar erkennbar und gut lesbar angegeben werden. Kunden müssen Gesamt- und Grundpreis auf einen Blick gemeinsam wahrnehmen können.

Streichpreis und 30-Tage-Regel

Seit dem 28. Mai 2022 gilt § 11 PAngV: Wenn du eine Preisermäßigung bekannt gibst, musst du den niedrigsten Gesamtpreis der letzten 30 Tage vor der Ermäßigung angeben. Dieser Preis ist auch der Bezugspunkt für die Ermäßigung, etwa für Prozentangaben wie „-20 %“.

Ein paar Details, die in der Praxis oft übersehen werden:

 

  • Ist ein Produkt noch keine 30 Tage im Angebot, zählt der niedrigste Preis seit Angebotsbeginn.
  • Bei einer schrittweise steigenden Ermäßigung, also erst -10 %, dann -20 %, dann -30 %, bleibt der Preis vor der ersten Stufe der Bezugspunkt.
  • Die 30-Tage-Historie musst du je Vertriebskanal betrachten. Online-Shop und Ladengeschäft gelten als getrennte Kanäle.

Beispiel:

 

✅ 49,99 € 44,99 € (−10 %)
Der niedrigste Preis der letzten 30 Tage war 49,99 €.

FAKTEN CHECK

UVP als Streichpreis:

Das OLG Köln hat am 15. Mai 2026 entschieden, dass eine durchgestrichene UVP unter bestimmten Bedingungen zulässig ist.

 

Entscheidend ist: Die UVP muss klar als unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers gekennzeichnet sein. Dann handelt es sich um einen Preisvergleich und nicht um eine Preisermäßigung im Sinne von § 11 PAngV, und die 30-Tage-Regel greift nicht.

 

Aber: Sobald du Rabatt-Optik erzeugst, etwa mit „Sale“, „Du sparst 30 %“ oder Ähnlichem, bewegst du dich wieder in Richtung Preisermäßigung. Die Verbraucherzentrale hat Revision angekündigt, das letzte Wort hat also der BGH.

 

Quelle: OLG Köln, Urteil vom 15.05.2026

Ausnahmen

Die Grundpreispflicht entfällt unter anderem, wenn Grund- und Gesamtpreis identisch sind, sowie bei sehr kleinen Mengen und bestimmten Produktgruppen wie Sets aus verschiedenartigen Waren.

 

Die 30-Tage-Regel gilt nicht für individuelle Preisermäßigungen, also zum Beispiel einen persönlichen Gutschein, und nicht für schnell verderbliche Waren, die wegen drohenden Verderbs reduziert werden.

Drei Praxisbeispiele zur PAngV: WooCommerce-Shops im Check

Beispiel

🍯 Beispiel 1: Lebensmittel-Shop

Du verkaufst Bio-Honig im 500-g-Glas für 7,90 €. Auf der Produktseite stehen: der Gesamtpreis von 7,90 € inkl. MwSt. (hier der ermäßigte Satz von 7 %), der Grundpreis von 15,80 € / 1 kg und der Hinweis „zzgl. Versandkosten“. Die GPSR greift bei Lebensmitteln nicht, dafür musst du die Pflichtangaben nach der LMIV wie Zutaten, Allergene und Nährwerte bereits vor dem Kauf anzeigen.

👕 Beispiel 2: Mode-Shop

Ein T-Shirt kostet 24,90 €. Einen Grundpreis brauchst du hier nicht, denn Kleidung wird nicht nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche verkauft. Pflicht sind der Gesamtpreis inkl. 19 % MwSt. und der Versandkostenhinweis. Dazu kommen die GPSR-Angaben, also Hersteller, ggf. EU-Verantwortlicher, Modell bzw. Artikelnummer und Warnhinweise, etwa zu Kordeln an Kinderkleidung. Zusätzlich musst du bei Textilien die Faserzusammensetzung angeben.

🏷️ Beispiel 3: Rabattaktion zum Black Friday

Ein Bluetooth-Lautsprecher kostet regulär 79 €. Vor drei Wochen war er kurzzeitig für 69 € im Angebot, zum Black Friday soll er 59 € kosten. Der Referenzpreis für deinen Rabatt sind 69 €, nicht 79 €.

 

Korrekt wäre also zum Beispiel: „59,00 € statt 69,00 € (niedrigster Preis der letzten 30 Tage), -14 %“. Ein Badge mit „-25 %“ auf Basis der 79 € wäre irreführend.

3. Tutorial: So setzt du GPSR und PAngV in WooCommerce um

Tutorial

Genug Theorie. Jetzt geht es ans Eingemachte. Wir schauen uns zuerst an, was WooCommerce von Haus aus mitbringt, und wählen dann das passende Plugin.

TIPP

Bevor du loslegst: Führe alle folgenden Schritte zuerst auf einer Staging-Umgebung durch. Compliance-Plugins greifen tief in Produktseite, Warenkorb und Checkout ein. Im WooCommerce Hosting von HostPress erstellst du eine Staging-Kopie deines Shops mit wenigen Klicks.

Welche Funktionen bringt WooCommerce bereits mit?

Bevor du ein Plugin installierst, lohnt sich ein Blick darauf, was WooCommerce schon von Haus aus kann und wo du nachrüsten musst.

Funktion WooCommerce Standard Was du ergänzen musst

Steuersätze und Preise inkl. MwSt.

✅ Vorhanden

Hinweis „inkl. MwSt.“ direkt am Preis über ein Plugin

Versandzonen und Versandkosten

✅ Vorhanden

Hinweis „zzgl. Versandkosten“ mit Link am Preis über ein Plugin

GTIN / EAN

✅ Eigenes Feld in aktuellen Versionen

Pflegen, falls noch leer

Angebotspreis mit Streichpreis

✅ Vorhanden

30-Tage-Referenzpreis über ein Plugin

Grundpreis

❌ Nicht vorhanden

Plugin wie Germanized oder German Market

Hersteller und EU-Verantwortlicher

❌ Nicht vorhanden (Marken ja, aber ohne Adressfelder)

GPSR-Plugin

Warnhinweise und Sicherheitsdokumente

❌ Nicht vorhanden

GPSR-Plugin

Lieferzeiten

❌ Nicht vorhanden

Plugin wie Germanized oder German Market

Schritt 1: Das passende Plugin wählen

Für die GPSR WooCommerce-Umsetzung in deutschen Shops empfehlen wir dir, ein passendes Compliance-Plugin wie Germanized oder German Market zu installieren.

Kriterium Germanized (vendidero) German Market (MarketPress)

GPSR-Felder

Ja, Hersteller und verantwortliche Person zentral anlegbar

Ja, Hersteller und verantwortliche Person zentral anlegbar

Grundpreis

Ja

Ja

30-Tage-Preishistorie

Vor dem Einsatz prüfen

Vor dem Einsatz prüfen

Preis

Basisversion kostenlos, Pro kostenpflichtig

Kostenpflichtige Lizenz

Massenpflege

Über CSV-Import, Pro mit erweiterten Funktionen

Über CSV-Import

Geeignet für

Einsteiger bis große Shops

Shops, die ein Rundum-Paket wollen

Unsere Empfehlung

Hast du noch gar kein Compliance-Plugin im Einsatz, ist Germanized der naheliegende Einstieg, weil die GPSR-Felder bereits in der kostenlosen Version enthalten sind. Nutzt du schon German Market, bleib dabei, denn ein Wechsel lohnt sich allein wegen der GPSR nicht. Ein schlankes GPSR-Plugin ergibt nur Sinn, wenn Grundpreise und Streichpreise bereits sauber abgedeckt sind.

 

‼️ Nicht doppelt installieren:

Kombiniere niemals zwei Compliance-Plugins mit überschneidenden Funktionen. Doppelte Preis- oder Steuerhinweise, kaputte Warenkörbe und widersprüchliche Grundpreise sind die Folge.

Schritt 2: Hersteller und verantwortliche Personen zentral anlegen

GPSR Anpassung bei WooCommerce – Beispiel für Hersteller Angaben
Lege Hersteller für deine Produkte an, um sie GPSR-konform anzubieten.

Der größte Zeitfresser bei der GPSR sind wiederkehrende Herstellerdaten. Deshalb legst du sie einmal zentral an und weist sie danach nur noch zu.

 

In deinem WordPress Dashboard findest du diese Funktion unter WooCommerce > Produkte > Hersteller. Dort legst du für jeden Hersteller einen einzelnen Eintrag an mit:

 

  • Name bzw. Handelsname
  • Postanschrift
  • E-Mail-Adresse oder Kontakt-URL
  • optional: verantwortliche Person in der EU (Name, Anschrift, Kontakt)
  • optional: Sicherheitsdokumente wie Anleitungen oder Sicherheitsdatenblätter als PDF

Schritt 3: GPSR-Daten den Produkten zuordnen

hersteller infos beim produkt angeben screenshot
Gib für dein Produkt den hinterlegten Hersteller und Sicherheitsinformationen an.

Nachdem du den passenden Hersteller einmal angelegt hast, musst du diesen noch deinem Produkt zuordnen.

 

Gehe dafür über WooCommerce > Produkte > Alle Produkte und wähle das entsprechende Produkt aus.

 

Die Bearbeitungsoberfläche bietet verschiedene Funktionen, die du bearbeiten kannst: Preise, Sales, Kategorien etc. Scrolle nach unten zum Feld Produktsicherheit. Hier kannst du nun deinen Hersteller auswählen. Trage im Feld für Sicherheitshinweise die produktspezifischen Warnungen ein. 

TIPP

Prüfe außerdem, ob GTIN/EAN und Artikelnummer gepflegt sind. WooCommerce hat dafür ein eigenes Feld. Das findest du weiter oben unter Lagerbestand.

Große Kataloge per CSV-Tabelle pflegen

csv export von produkten bei woocommerce
Hier kannst du alle Produkte über CSV exportieren und mit den richtigen Infos zurück importieren.

Bei sehr großen Online-Shops mit hunderten Produkten ist Handarbeit natürlich keine Option. So gehst du vor, um deine Produkte per CSV richtig einzuordnen:

 

  1. Exportiere deine Produkte unter Produkte > Exportieren als CSV.
  2. Wähle aus, welche Produkte exportiert werden sollen.
  3. Ergänze in deiner CSV-Tabelle die Spalten für Hersteller, Warnhinweise und GTIN. Welche Spaltennamen dein Plugin hier genau erwartet, findest du in dessen Dokumentation. Am einfachsten pflegst du ein Testprodukt manuell und exportierst es, dann siehst du die korrekten Spalten.
  4. Importiere die Datei unter Produkte > Importieren und aktiviere die Option Vorhandene Produkte aktualisieren.
  5. Prüfe stichprobenartig 5 bis 10 Produkte im Frontend, ob die Hersteller-Integration sauber funktioniert hat.
TIPP

Viele Lieferanten liefern GPSR-Daten inzwischen als Excel- oder CSV-Datei mit. Frage aktiv danach. Das spart dir das Abtippen und reduziert Fehler.

Sicherheitsinformationen und Dokumente auf der Produktseite anzeigen

Hast du Hersteller und Sicherheitshinweise hinterlegt, gibt Germanized die GPSR-Angaben automatisch auf der Produktseite aus. Je nach Version und Einstellung erscheinen sie in einem eigenen Bereich oder Tab. Zusätzlich kannst du Dokumente wie Bedienungsanleitungen, Sicherheitsdatenblätter oder Konformitätserklärungen als PDF hinterlegen, die dann als Download angezeigt werden.

Achte dabei auf zwei Dinge:

 

  • Kernangaben als Text: Hersteller, EU-Verantwortlicher und Warnhinweise sollten als Text auf der Seite stehen und nicht nur in einem PDF versteckt sein.
  • Eigene Produkt-Templates: Nutzt du ein individuelles Theme oder baust deine Produktseiten mit einem Pagebuilder wie Elementor, muss das Template die Plugin-Ausgabe auch enthalten, zum Beispiel über das Widget für die Produktdaten-Tabs. Fehlt es, bleiben die GPSR-Angaben im Frontend unsichtbar.

Schritt 4: WooCommerce Grundpreis und Einheiten konfigurieren

Für den Grundpreis braucht das Plugin zwei Angaben pro Produkt: die Produktmenge und die Grundpreis-Einheit.

 

Das kannst du (mit Germanized installiert) direkt über das jeweilige Produkt einstellen. Gehe also nochmals auf dein Produkt und scrolle nach unten, bis du die benötigten Felder siehst (vgl. Screenshot).

 

  • Einheit: z. B. Liter, Kilogramm, Meter
  • Produkteinheiten: die enthaltene Menge, z. B. 0,75
  • Grundpreiseinheiten: die Bezugsgröße, hier 1

 

Den Grundpreis kannst du automatisch berechnen und neben dem Preis ausgeben lassen, dafür ist hier aber die Pro Version nötig.

 

Bei variablen Produkten musst du die Angaben für jede Variante einzeln hinterlegen, denn die 250-ml- und die 1-Liter-Flasche haben unterschiedliche Grundpreise.

Wichtig für die Angaben der Einheiten

Prüfe bei bestehenden Produkten, ob noch alte Einstellungen mit „100 g“ oder „100 ml“ hinterlegt sind, und stelle die Bezugsgröße auf 1 kg, 1 l, 1 m, 1 m² oder 1 m³ um.

Umsatzsteuer korrekt konfigurieren

Umsatzsteuer bei WooCommerce richtig anlegen.
Achte auf die richtigen Einstellungen zur Angabe der Steuern.

Damit die Preise korrekt inklusive Umsatzsteuer angezeigt werden, aktivierst du zuerst unter WooCommerce > Einstellungen > Allgemein die Option Steuersätze und Berechnungen aktivieren. In der Auswahlleiste oben findest du nun Umsatzsteuer, dort stellst du anschließend Folgendes ein:

  • Preise mit Steuer eingeben: Ja, ich gebe die Produktpreise inklusive Mehrwertsteuer an.
  • Preise im Shop anzeigen: Steuern eingeschlossen
  • Preise während Bestell- und Bezahlvorgang anzeigen: Steuern eingeschlossen

Lege anschließend den Standardsatz von 19 % und den ermäßigten Satz von 7 % an und ordne die Steuerklasse den jeweiligen Produkten zu.

 

Germanized ergänzt dann automatisch den Hinweis „inkl. 19 % MwSt.“ bzw. „inkl. 7 % MwSt.“ am Preis. Bist du Kleinunternehmer nach § 19 UStG, weist du keine Umsatzsteuer aus und zeigst stattdessen einen entsprechenden Hinweis an. Auch dafür bietet Germanized eine eigene Option.

Versandkosten und Lieferinformationen ausgeben

Versandzonen und Versandarten richtest du unter WooCommerce > Einstellungen > Versand ein. Lege außerdem eine eigene Seite „Versandkosten“ an, auf der Höhe und Berechnung der Versandkosten nachvollziehbar erklärt sind, und ordne sie in Germanized als rechtliche Seite zu. Der Hinweis „zzgl. Versandkosten“ am Preis verlinkt dann automatisch dorthin.

Hinweis zur Angabe von Lieferzeiten

Auch die Lieferzeit gehört zu den Informationen, die Kunden vor der Bestellung sehen müssen. Du kannst die Lieferzeiten für jedes Produkt einzeln anlegen oder zentral über Produkte > Lieferzeiten.

 

Du kannst verschiedenen Produktgruppen ebenso Varianten zuweisen, zum Beispiel „Lieferzeit: 2–4 Werktage“.

Schritt 5: Streichpreise rechtssicher anzeigen

WooCommerce zeigt bei einem Angebotspreis automatisch den regulären Preis durchgestrichen an. Genau das ist das Problem, denn der reguläre Preis ist nicht automatisch der niedrigste Preis der letzten 30 Tage. Diesen solltest du allerdings mitanzeigen lassen.

Angebotspreise rechtssicher auszeichnen
Achte darauf, Sale-Preise richtig anzeigen zu lassen.

So gehst du vor:

 

  1. Preishistorie prüfen: Schau in deinem Compliance-Plugin nach, ob es Preisänderungen speichert und den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage automatisch ermitteln und anzeigen kann. Falls nicht, brauchst du ein ergänzendes Preishistorie-Plugin oder musst den Referenzpreis manuell setzen.
  2. Rechtzeitig aktivieren: Eine Preishistorie kann nur aufzeichnen, was ab der Installation passiert. Aktiviere sie also mindestens 30 Tage vor deiner nächsten Sale-Aktion.
  3. Kennzeichnung festlegen: Lege fest, wie der Referenzpreis beschriftet wird, z. B. „Niedrigster Preis der letzten 30 Tage: 69,00 €“.
  4. Rabattbadges prüfen: Viele Themes zeigen automatisch Badges wie „-25 %“. Diese Prozentzahl rechnet WooCommerce vom regulären Preis aus. Ist der 30-Tage-Tiefstpreis niedriger, stimmt das Badge nicht mehr. Deaktiviere es im Zweifel lieber.
  5. UVP sauber trennen: Willst du die UVP anzeigen (siehe Kapitel 2), kannst du diese unter „Streichpreis-Hinweis“ bei der Produktbearbeitung auswählen.

Schritt 6: Frontend-Check

Prüfe zum Schluss nochmal alle deine Änderungen, die du vorgenommen hast, auf deiner Live-Webseite: Sind alle Angaben richtig, sind die Angaben einfach zu finden, sind die Infos richtig dargestellt?  Geh diese Stationen durch:

 

  • Produktseite: Sind Hersteller, ggf. EU-Verantwortlicher, Produktidentifikatoren und Warnhinweise sichtbar, ohne dass du als Kunde eine andere Seite öffnen musst?
  • Stehen Gesamtpreis, Grundpreis und Versandkostenhinweis zusammen?
  • Varianten: Wechselt der Grundpreis gegebenenfalls korrekt, wenn du eine andere Größe oder Farbe auswählst?
  • Kategorie- und Suchseiten: Wird der Grundpreis auch in der Produktübersicht angezeigt? Er ist überall Pflicht, wo ein Preis steht.
  • Warenkorb und Checkout: Erscheinen Preise, Grundpreise und Steuerhinweise korrekt, ohne doppelte Ausgaben?
  • Mobile Ansicht: Rutscht der Grundpreis auf dem Smartphone nicht unter die Falz oder in ein zugeklapptes Element?
  • Produktfeeds: Übergibt dein Feed-Plugin für Google Shopping, Idealo oder Marktplätze die GPSR-Felder und den Grundpreis (unit_pricing_measure)? Sonst drohen Ablehnungen im Merchant Center.

4. GPSR WooCommerce Best Practices: So gelingt die Anpassung

Best-Practices

Häufige Fehler bei GPSR und PAngV vermeiden

Leider ist das Thema ziemlich komplex, insbesondere wenn du gerade dabei bist, einen Online-Shop aufzubauen. In der Praxis sind es immer wieder dieselben Stolperfallen. Hier die häufigsten Fehler und wie du sie vermeidest:

Wichtige Empfehlung: Lass dich professionell beraten

Unser Artikel soll dir einen guten Überblick über die Thematik und die Einrichtung von Grundeinstellungen bieten. Solltest du aber nicht weiterkommen, lass dich bitte unbedingt von einer Fachperson beraten. 

Fehler Warum ist das ein Problem? So behebst du es

Herstellerangaben stehen nur im Impressum

Die GPSR verlangt die Angaben im jeweiligen Produktangebot, nicht an zentraler Stelle.

Hersteller zentral anlegen und jedem Produkt zuordnen (Schritt 2 und 3).

Sicherheitsinformationen fehlen bei einzelnen Varianten

Abweichende Warnhinweise, etwa für Kindergrößen, werden nicht angezeigt.

Varianten gezielt prüfen und Hinweise dort gesondert pflegen.

Grundpreise fehlen oder sind falsch berechnet

Fehlende oder falsche Grundpreise sind ein klassischer Abmahngrund.

Mengen und Einheiten pro Produkt bzw. Variante prüfen, Bezugsgröße 1 kg / 1 l / 1 m.

Rabatte mit ungeeignetem Referenzpreis

Der durchgestrichene Preis ist nicht der niedrigste Preis der letzten 30 Tage.

Preishistorie aktivieren und Rabattbadges prüfen (Schritt 5).

Pflichtangaben auf Mobilgeräten schlecht sichtbar

Grundpreis oder GPSR-Angaben verschwinden in zugeklappten Elementen oder unter der Falz.

Produktseite gezielt auf dem Smartphone testen (Schritt 6).

Theme oder Pagebuilder blendet Angaben aus

Individuelle Templates enthalten die Plugin-Ausgabe nicht, die Daten sind gepflegt, aber unsichtbar.

Template um Produktdaten-Tabs bzw. Plugin-Ausgabe ergänzen und im Frontend prüfen.

Checkliste: Ist dein Shop mit WooCommerce rechtssicher aufgestellt?

  • ☐ Herstellerangaben auf jeder Produktseite (Kapitel 2)
  • ☐ EU-Verantwortlicher bei Herstellern außerhalb der EU (Kapitel 2)
  • ☐ Produktidentifikatoren wie GTIN, Modellnummer und Bild gepflegt (Kapitel 2)
  • ☐ Warnhinweise in Landessprache direkt im Angebot (Kapitel 2)
  • ☐ Gesamtpreis inkl. MwSt. und Versandkostenhinweis mit verlinkter Versandkostenseite (Kapitel 2)
  • ☐ Grundpreis in 1 kg / 1 l / 1 m / 1 m² / 1 m³ überall dort, wo ein Preis steht (Kapitel 2 und Kapitel 3, Schritt 4)
  • ☐ 30-Tage-Preishistorie aktiv und Referenzpreis bei Rabatten korrekt (Kapitel 2 und Kapitel 3, Schritt 5)
  • ☐ UVP eindeutig gekennzeichnet (Kapitel 2)
  • ☐ Frontend-, Varianten- und Feed-Check auf Desktop und Smartphone durchgeführt (Kapitel 3, Schritt 6)
  • ☐ Theme bzw. Pagebuilder-Template zeigt alle Plugin-Ausgaben an (Kapitel 3, Schritt 3)
  • ☐ Auch nachbestellte Altbestände haben vollständige GPSR-Angaben (Kapitel 2)
Wichtig zu wissen

Diese Checkliste prüft die in diesem Artikel behandelten Anforderungen aus GPSR und PAngV. Sie ersetzt keine vollständige Prüfung der Rechtssicherheit deines Shops. Dazu gehören zum Beispiel auch Impressum, AGB, Widerrufsbelehrung, Datenschutz und Barrierefreiheit.

 

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Integriere einen festen Pflegeprozess für neue Produkte

Die einmalige Nachpflege ist das eine. Rechtssicher bleibst du aber nur, wenn neue Produkte gar nicht erst unvollständig online gehen. Deshalb solltest du einen ganz klaren Fahrplan für dich und deine Mitarbeiter entwickeln, der dir dabei hilft, deinen WooCommerce Shop rechtssicher und gepflegter zu machen. Folgende Optionen haben sich dabei bewährt: 

 

  • Pflichtfelder vor Veröffentlichung: Ein Produkt geht erst live, wenn Hersteller, Warnhinweise, GTIN und ggf. Grundpreis-Einheit gepflegt und geprüft sind. Manche GPSR-Plugins markieren unvollständige Produkte automatisch.
  • Lieferantendaten anfordern: Mach vollständige GPSR-Daten zur Bedingung in deinen Einkaufsprozessen.
  • Quartalsweiser Check: Filter regelmäßig nach Produkten ohne Hersteller oder ohne Grundpreis-Einheit. Ändert sich die Lieferantenadresse oder EU-Vertreter, aktualisierst du einfach das zentrale Herstellerprofil.

5. Rechtssicherheit ist kein Plugin, sondern ein Prozess

Zusammenfassung

GPSR und Preisangabenverordnung wirken auf den ersten Blick wie zwei bürokratische Baustellen. In der Praxis lassen sie sich mit einem durchdachten Setup gut in den Griff bekommen. Die GPSR verlangt vier klare Angaben direkt im Angebot. Die PAngV verlangt ehrliche Preise mit Grundpreis und einer sauberen 30-Tage-Historie bei Rabatten. Mit Germanized, German Market oder einem schlanken GPSR-Plugin setzt du beides in WooCommerce um, und mit zentralen Herstellerprofilen und CSV-Import auch für große Kataloge.

 

Entscheidend ist aber, was danach passiert: Neue Produkte, neue Lieferanten und neue Sale-Aktionen bringen ständig neue Daten in deinen Shop. Wer hier einen festen Pflegeprozess etabliert, ist auf der sicheren Seite.

Das Plugin zeigt die Daten an. Rechtssicher macht deinen Shop erst der Prozess dahinter.

Q&A GPSR und Preisangabenverordnung

Reicht ein Link zu einer Herstellerseite für die GPSR?

Nein. Die Pflichtangaben nach Artikel 19 GPSR müssen im Angebot selbst stehen, also direkt auf der Produktseite. Ein Link auf eine externe Herstellerseite oder eine Sammelseite in deinem Shop gilt in der Regel nicht als ausreichend. Ergänzende Dokumente wie Anleitungen darfst du aber verlinken.

Ja, grundsätzlich schon. Gebrauchte, reparierte oder aufbereitete Produkte, die gewerblich verkauft werden, fallen unter die GPSR. Ausgenommen sind Antiquitäten sowie Produkte, die vor der Nutzung repariert oder aufbereitet werden müssen, sofern sie im Angebot klar und deutlich als solche gekennzeichnet sind.

Ja. Entscheidend ist, wer das Produkt online anbietet, nicht wer es verschickt. Als Dropshipper bist du für die Angaben im Angebot verantwortlich. Verkaufst du die Ware unter eigener Marke, giltst du sogar selbst als Hersteller.

Nein, rechtlich nicht. Du könntest die Angaben theoretisch auch manuell in die Produktbeschreibung schreiben oder über eigene Felder ausgeben. Ab einer Handvoll Produkten ist ein Plugin mit zentralen Herstellerprofilen aber deutlich effizienter und weniger fehleranfällig.

Ja, unter Bedingungen. Laut OLG Köln (Urteil vom 15.05.2026, Az. 6 U 92/25) ist eine durchgestrichene UVP zulässig, wenn sie klar als unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers gekennzeichnet ist und keine Rabatt-Optik erzeugt wird. Da Revision angekündigt ist, ist die Frage aber noch nicht abschließend geklärt.

Nein, nicht pauschal. Individuelle Preisermäßigungen, etwa ein persönlicher Gutschein für einen einzelnen Kunden, sind ausdrücklich von § 11 PAngV ausgenommen. Bewirbst du aber öffentlich eine Aktion wie „20 % auf alles mit Code SALE20“ und zeigst dazu reduzierte Preise im Shop an, solltest du vorsichtshalber den 30-Tage-Tiefstpreis berücksichtigen. Die Rechtslage ist hier nicht abschließend geklärt.

Ja, praktisch schon. Die PAngV verlangt, dass der Grundpreis unmissverständlich, klar erkennbar und gut lesbar angegeben wird. Kunden müssen ihn zusammen mit dem Gesamtpreis auf einen Blick wahrnehmen können. Ein Grundpreis, der erst im Tab „Zusätzliche Informationen“ oder im Warenkorb auftaucht, reicht nicht.

Nein, nicht automatisch. Die PAngV ist deutsches Recht. Richtest du deinen Shop gezielt auf österreichische Kunden aus, etwa mit .at-Domain, eigener Länderseite oder Werbung in Österreich, gelten für diese Kunden die österreichischen Verbraucherschutz- und Preisregeln, insbesondere das Preisauszeichnungsgesetz (PrAG). Die Grundprinzipien sind ähnlich, weil beide auf denselben EU-Richtlinien beruhen. Die Details solltest du aber gesondert prüfen.

Ja. Die GPSR kennt keine Größen- oder Umsatzgrenze. Sobald du Verbraucherprodukte in der EU online anbietest, gelten die Pflichtangaben, auch für kleine Shops mit wenigen Produkten oder im Nebenerwerb.

Ausgenommen sind unter anderem Human- und Tierarzneimittel, Lebens- und Futtermittel, lebende Pflanzen und Tiere, Pflanzenschutzmittel, Luftfahrzeuge und Antiquitäten.

Ja, für die Darstellung der GPSR-Angaben in vielen Fällen schon. Germanized bringt bereits in der kostenlosen Version Felder für Hersteller, verantwortliche Personen und Sicherheitsinformationen mit. Ob die Angaben korrekt und vollständig sind und ob dein Theme sie richtig ausgibt, musst du aber selbst prüfen.

Immer dann, wenn du Waren nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche anbietest, zum Beispiel Lebensmittel, Kosmetik, Farben oder Meterware. Bei Stückware wie Kleidung oder Elektronik brauchst du keinen Grundpreis.

Gibst du eine Preisermäßigung bekannt, musst du den niedrigsten Gesamtpreis der letzten 30 Tage vor der Ermäßigung angeben. Dieser Preis ist gleichzeitig der Bezugspunkt für Streichpreise und Prozentangaben. War ein Produkt in diesem Zeitraum schon einmal günstiger, ist dieser günstigere Preis die Referenz.

Ja, zum großen Teil. Plugins wie Germanized oder German Market geben Herstellerangaben, Grundpreise, Steuer- und Versandkostenhinweise automatisch aus, und per CSV-Import pflegst du auch große Kataloge effizient. Die Daten selbst musst du aber korrekt hinterlegen, und die 30-Tage-Preishistorie funktioniert nur, wenn sie rechtzeitig aufzeichnet.

Johanna
Johanna
Johanna ist Texterin und Content Marketing Managerin. Sie hat eine Vorliebe für Social Media und setzt auf klare Kommunikations-Strategien. Bei HostPress kümmert sie sich um Newsletter- und Bloginhalte, um zielgruppengerechte Inhalte und die Markenbekanntheit zu fördern. Durch ihre Arbeit im Webhosting Bereich liegt ihre Stärke darin, komplexe Themen verständlich und authentisch auf den Punkt zu bringen.
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